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Unter chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung versteht man eine über lange Zeit andauernde oder wiederholt auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Dabei kommt es zu einer dauerhaften Schädigung des Organs mit folgender, teilweise dauerhaftem Verlust der Pankreas-Funktionsfähigkeit. Durch die enorme Überkapazität des Bauchspeicheldrüsengewebes treten Symptome allerdings erst nach längerer Zeit auf und werden von Betroffenen erst dann wahrgenommen, wenn es zu Meteorismus (Blähbäuchen), Blähungen (Flatulenz) und weiteren Anzeichen kommt. 

Es gibt unterschiedliche Aussagen über die Häufigkeit der Auslöser. Eine Seite der Wissenschaft sagt, die häufigste Form der chronischen Pankreatitis sei die idiopathische Pankreatitis ist - lässt sich kein auslösendes Moment rekonstruieren, spricht die Medizin spricht von einer idiopathischen chronischen Pankreatitis. Die andere Seite meint, dass langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum die häufigste Ursache für eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis) sei. Richtig ist in jedem Fall, dass bei unterschiedlichen „Toleranzgrenzen“ für Alkohol Menschen gibt, bei denen bereits geringe Mengen Alkohol genügen, um die Erkrankung auszulösen. Auch Rauchen ist ein gewichtiger Risikofaktor für eine chronische Pankreatitis.


Angeborene genetische Anomalien (Mutationen) können ebenfalls zu einer chronischen Pankreatitis führen oder ihr Entstehen begünstigen. Es sind verschiedene Mutationen bekannt, die zu Auslösern einer chronischen Pankreatitis zählen. 

Auslöser können, wenngleich äußerst selten, auch Fehlanlagen der Bauchspeicheldrüse wie das Pankreas divisum, das Pankreas anulare und bestimmte Medikamente, Stoffwechselstörungen, virale- und bakterielle Infektionen und Parasiten sein. Bei starkem Übergewicht (Adipositas) und extrem erhöhten Blutfettwerten (Hyperlipidämie) kann sich cholesterinreicher Gallengries („Sludge“) bilden. Dieser Gallengries stellt die Vorstufe eines Gallensteins dar, der im Verlauf von wiederkehrenden Gallekoliken die gemeinsame Endstrecke des Gallengangs und des Bauchspeicheldrüsen-gangs verlegen kann, was zu einem Rückstau des Galle- und Pankreassekrets und einer Entzündung führt.

Eine autoimmune chronischen Pankreatitis (AIP) ist die seltene unter der seltenen chronischen Pankreatitis-Erkrankung. Sie unterscheidet sich durch die Entstehung, das feingewebliche Bild und zum Teil auch durch die klinischen Symptome von anderen Formen der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ursächlich dafür ist das Immunsystem, das gegen körpereigenes Gewebe vorgeht. Bei einer Autoimmun Pankreatitis (AIP) kommt es wie auch bei anderen Formen der Pankreatitis häufig zu einer Verengung des Pankreasganges und einer entzündlichen Vergrößerung der Bauchspeicheldrüse. Im Labor finden sich erhöhte Ig-2 und /oder Ig-4 Antikörperwerte. Die Therapie der Wahl ist eine immunhemmende Behandlung mit Steroiden. Wenn es durch eine medikamentöse Therapie zu keiner Besserung der Beschwerden kommt oder ein Tumor nicht sicher ausgeschlossen werden kann, ist eine Operation das Mittel der Wahl.

Die führenden Symptome einer chronischen Pankreatitis sind intensive Oberbauchschmerzen, die Stunden bis Tage anhalten können. Wie ein Gürtel legen sie sich um die gesamte Körpermitte und strahlen so bis in den Rücken aus. Selbst mit stärksten Schmerzmitteln wie Morphium oder Opiaten lassen sich die Schmerzen oftmals nur kaum lindern oder gar beseitigen. Zwischen diesen schmerzhaften Episoden (Schüben) können tage- und wochenlange schmerzfreie Phasen liegen. 

 

Durch die entzündlichen Prozesse hervorgerufene Zellschädigung und Zellverlust exokriner Zellen führen dazu, dass Verdauungsenzyme nicht mehr in ausreichender Menge produzieren werden - es kommt zu Blähungen, Völlegefühl und möglicherweise zu Durchfällen, wodurch Betroffene an Körpergewicht verlieren können. Zum anderen kann es sein, dass die Bauchspeicheldrüse durch Zellschädigung und -verlust endokriner Zellen nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Insulin bereitzustellen - es kommt zur Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. 

Die Beschwerden bei Diabetes sind abhängig vom Grad des Insulinmangels und dem Ausmaß der daraus resultierenden Stoffwechselveränderungen. Da es sich bei einem Diabetes Typ 3 um einen sekundären, also um die Folgeerkrankung der ursächlichen Erkrankung Bauchspeicheldrüsen-Entzündung handelt, können möglicherweise die Symptome der verursachenden Erkrankung die Beschwerden des Diabetes überlagern, insbesondere wenn eine chronische Pankreatitis vorliegt. Speziell typische Symptome für einen Diabetes Typ 3 gibt es nicht, die Symptome ähneln denen des Diabtes 2.

Grundsätzlich vergehen bei einem Diabetes oft Monate vom Beginn bis zum Auftreten der ersten Symptome, da etwa 80% - 90% der insulinproduzierenden Betazellen des Pankreas zerstört sein müssen, bevor der Insulinmangel vom Körper nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Typische Symptome eines Diabetes, die mehr oder weniger stark in Erscheinung treten und sowohl einzeln als auch kombiniert vorkommen können sind:

  • ✑  häufiges Wasserlassen, starker Durst, Gewichtsverlust
    Bei einer erhöhten Zuckerkonzentration im Blut gelangt Zucker in den Harn und nicht an die Zielzellen. Um die Konzentrationsunterschiede auszugleichen (osmotischer Druck), gelangt mehr Wasser in den Urin, was einen häufigeren Gang zur Toilette notwendig macht (Polyurie). Damit verliert der Körper größere Wassermengen, was folgerichtig ein starkes Durstgefühl verur- sacht. Gleichzeitig baut der Körper seine Fettreserven zur notwendigen Energiegewinnung für die Körperzellen ab, was einen rapiden Gewichts- verlust von mehreren Kilos zur Folge hat.

  • ✑  Müdigkeit, Schwächegefühl und Leistungsminderung
    Die Störungen des Zuckerstoffwechsels und somit die Reduzierung an Energie in den Zellen führt zur Müdigkeit und Schwäche.

  • ✑  Aceton in der Ausatemluft und im Urin (Ketonazidose)
    Mit der Ausatemluft und dem Urin scheidet der Körper verstärkt giftige Fettabbauprodukte wie Aceton aus.

Bei der sogenannten idiopathischen Pankreatitis, bei der keine bekannte Ursache fassbar ist (Ursache unbekannt), lassen sich auch schmerzarme, manchmal auch weitgehend schmerzfreie Verläufe beobachten. Die führenden Symptome sind hier Verdauungsstörungen, Blähungen, Völlegefühl, Durchfälle und im Langzeitverlauf durch den Verlust exokriner Zellen Gewichtsverlust. Auch bei dieser Form der Erkrankung kann es aufgrund einer verminderten Produktion von Insulin zur Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kommen.

Die Therapie einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung richtet sich in erster Linie nach den Beschwerden der Betroffenen und der zugrundeliegenden Ursache. Oft ist der erste Schritt in der Behandlung einer chronischen Pankreatitis auf Alkohol zu verzichten. RaucherInnen sollten ihren Nikotinkonsum reduzieren und möglichst ganz einstellen. Zudem wird man durch Einnahme von Pankreasenzympräparaten versuchen eine ausreichende Verdauung der Nahrung und damit Versorgung des Organismus wiederherzustellen, um so Symptome wie Blähungen und Durchfall zu lindern bzw. zu beseitigen.

 

Durch Gabe der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K kann der häufig auftretende Mangel dieser Vitamine ausgeglichen werden. Es ist sinnvoll, in regelmäßigen Abständen mittels Blutserum eine Vitamin- und Spurenelementespiegel zu bestimmen und den Vitaminangel durch genau abgestimmte Dosierungen von Vitamingaben und Substituierung von Spurenelementen auszugleichen. 

 

Kommt es zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus 3c) helfen - je nach Ausprägung der Zuckerkrankheit - eine ausgewogene Ernährungund viel Bewegung. Normalisiert sich damit der Blutzuckerspiegel nicht, müssen Betroffene ein Leben lang Insulin zuführen. 

 

Die Schmerztherapie besteht in der Gabe von potenten Scherzmitteln wie Opioiden.

In der Frühphase der chronischen Pankreatitis kommen minimalinvasive Verfahren, das sind endoskopische Verfahren zur Anwendung. Die Durchführung sollten nur von darauf spezialisierten InternistInnen in Abstimmung mit erfahrenen Pankreas-Chiruginnen vorgenommen werde, da das Pankreas bei diesem Eingriff mit interventionellen Instrumenten manipuliert wird. Dazu zählt die Einbringung von Plastikröhrchen (Stents) in den Pankreasgang (ductus pancreaticus), wenn dieser eine Gangverengung (Stenose) aufweist. Das Ziel dieser Interventionen ist die Stenose zu dehnen, in der Hoffnung, dass sie offen bleibt und ein chriurgischer Eingriff unnötig wird. Der Nachteil dieser Behandlung ist, dass der oder die eingebrachten Stents spätestens alle drei Monate gewechselt werden müssen und jedes mal zu einer sogenannten Laborpankreatitis führen, die zwar rasch abklingt, dennoch einen mehrtägigen Spitalsaufenthalt erforderlich macht. Komplikationen dieser Behandlungsmethode sind sogenannte Okklusionen des/der Stents durch Gallengries, sogenannten Sludge. Das kann passieren, da beide, Gallen- und Pankreasgang, in ein gemeinsames Gangstück münden. Eine langjährige endoskopische Behandlung sollte vermieden werden - endoskopische Therapieversuche sollten sich maximal über einen Zeitraum von einem Jahr erstrecken. Sind diese Therapieversuche erfolglos, ist der finale Therapieschritt die Operation. Operative Verfahren bieten oftmals eine rasche und dauerhafte Therapie von schmerzhaften Beschwerden.

Jeder/jede zweite PatientIn mit chronischer Pankreatitis wird im Verlauf der Erkrankung operiert. Dafür gibt es in der Regel drei Gründe:

  1. Bleiben Schmerzen trotz stärkster Schmerzmittel wie Morphium oder Opioiden bestehen, trägt eine Operation zur Linderung bzw. Beseitigung der Schmerzen und zur Steigerung der Lebensqualität bei. 

  2. Bleiben Gangverengungen (Stenosen) durch das Einbringen von Stents nach einem Auslassversuch von einigen Wochen nicht von selbst offen und fließt das Pankreassekret nicht ungehindert ab, ist auch in diesem Fall die Operation das Mittel der Wahl.

  3. Zu einer Operation wird auch geraten, wenn die chronisch-entzündlichen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse die umliegenden Organe beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem eine Einengung oder ein Verschluss des Zwölffingerdarms, des Gallengangs, des Pankreasganges und der Gefäße, die hinter der Bauchspeicheldrüse liegen. Auch bei Verkalkungen in der Bauchspeicheldrüse oder bei narbigen Engstellen im Galle- oder Pankreasgang stellt eine Operation die bessere Alternative zur endoskopischen Therapie dar.

  4. Eine Operation empfiehlt sich außerdem, wenn unklar ist, ob sich hinter den Veränderungen der Bauchspeicheldrüse ein bösartiger Tumor verbirgt. Denn wird ein bösartiger Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt, besteht die Möglichkeit, ihn chirurgisch komplett zu entfernen.

Der beste Operationszeitpunkt muss durch erfahrene Bauchspeicheldrüsenchirurgen festgelegt werden. Welches Operationsverfahren eingesetzt wird, hängt dabei wesentlich von den Veränderungen der Bauchspeicheldrüse ab.

Nach einer der Entfernung eines Teils oder - wenn notwendig - einer Totalentfernung der Bauchspeicheldrüse kommt es zu einer exokrinen und möglicherweise zu einer endokrinen Pankreas-Insuffizienz. Diese haben eine lebenslange Einnahme von Pankreasenzymen zu jeder Mahlzeit und die Insulinsubstitution eines Diabetes mellitus 3c zur Folge. 

Quellen: Klinikum Uni MünchenKlinikum DresdenDoris Lang-Selbst Betroffene, Deutsche Apothekerzeitung, Deutsche Diabetes Hilfe