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Krankheitsbewältigung

 

Die Chronifizierung einer Erkrankung stellt Betroffene vor eine herausfordernde Aufgabe, denn neben den verfügbaren modernen medizinischen Therapien ist viel Eigenmanagement gefragt, um das Leben und die damit verbundene Lebensqualität trotz „Nicht-Gesundsein“ auf hohem Niveau zu halten. Es gibt kaum eine Krankheit die Betroffene nicht auch psychisch fordern würde. Immer muß der/die Betroffene in irgendeiner Form auf ihre/seine Krankheit reagieren. Diesen Vorgang nennt man Krankheitsbewältigung oder Coping, der von Betroffenen, Angehörigen und BehanlderInnen ein permanentes Anpassen an sich verändernde Gesundheits- und damit verbundenen Lebensrealititäten fordert.

© Heim E. (1998) Krankheitsbewältigung. In: Buddeberg C., Willi J. (eds)

Psychosoziale Medizin. Springer-Lehrbuch. Springer, Berlin, Heidelberg

 

Nach Elisabeth Kübler-Ross (*1926; †24. August 2004), eine schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin, werden fünf Phasen der Krankheitsbewältigung beschrieben, die von der ursprünglichen Beobachtung der 5 Phasen der Trauer abgeleitet sind. Jede dieser Phasen zeigt sich unwillkürlich und ungeplant. So, wie von der Natur angelegt, ist jede dieser Phasen ein in uns angelegte Fähigkeit, eine Fähigkeit, die uns und die Wiege gelegt wurde, um eine schwere Erkrankung, um Krisen und Trauer zu bewältigen. Die einzelnen Phasen verlaufen dabei nicht linear hintereinander, sondern können parallel zueinander stattfinden, einander überspringen, sich wiederholen...  

1 : Schock / Verleugnung "Aus heiterem Himmel“, „Von heute auf morgen“, „überfallsartig“, „schlagartig“, „über Nacht“: Begriffe und Metaphern, die im Moment der Diagnose den empfundenen, plötzlichen "Sturz aus der Wirklichkeit" ausdrücken. Dieser „Sturz aus der Wirklichkeit“ führt zu einem Schock, zu Unruhe und Angst. Vernünftiges und rationales Denken (kognitive Fähigkeiten) zeigen sich dann oft (vorübergehend) eingeschränkt. Häufig wird in dieser Phase versucht, die Bedrohung durch die Diagnose mittels Verleugnung zu reduzieren. Das Gute an diesem Verhalten ist, dass dieses "Nicht-wahrhaben-wollen" eine Pufferwirkung hat, die es ermöglicht, die Tatsache, wirklich krank zu sein, nicht auf einmal sondern sozusagen in „verdaubaren Happen“ als Realität aufzunehmen. In dieser Phase brauchen Erkrankte vor allem menschliche Wärme, Verständnis und Verlässlichkeit in ihren zwischen-menschlichen Beziehungen. 

 

2 : Aggression "Warum gerade ich?" Betroffene reagieren wütend, gekränkt und enttäuscht auf den Einbruch der Krankheit in ihr Leben, sie hadern mit Gott und der Welt. Oft wird diese Wut und Aggression nicht offen geäußert, es fehlen die Worte. Unbewusst werden diese Agressionen, die der Erkrankung gelten, auf die Bezugsperson (Familie, Pflegepersonen, ÄrztInnen, FreundInnen, KollegInnen ...) projiziert, was sich dann durchaus in Form von Vorwürfen und Kritik – sogar beleidigend – äußern kann. Betroffene erscheinen häufig ungeduldig, gereizt, ungerecht und uneinsichtig. Wichtig auch für Angehörige, FreundInnen und KollegInnen ist jetzt, dieses Verhalten nicht persönlich zu nehmen, denn die Aggression gilt im Grunde der Krankheit, nicht dem sozialen Umfeld. Betroffene brauchen jetzt trotz des ablehnenden Verhaltens Geduld und ein kontinuierlich aufrechterhaltenes Kommunikationsangebot. 

 

3 : Depression. "Was bin ich noch wert?" Durch die mit der Erkrankung verbundene zunehmende Funktionseinschränkung, durch Schmerzen, Rollenverluste und Identitätseinbrüche, z. B. als Powerfrau oder als Familienversorger, durch Veränderungen des Körperbildes und vieles mehr kommt es zu einem Einbruch des Selbstwertgefühls bis hin zu einer existentiellen Verzweiflung Betroffener. Die Verletzlichkeit nimmt jetzt zu, Betroffene scheinen jetzt ständig Hilfe zu fordern, ohne in der Lage zu sein diese auch annehmen zu können. Das kann von Angehörigen, ÄrztInnen und TherapeutInnen als frustrierend erlebt werden und birgt die Gefahr eines 'gekränkten Rückzugs' des Umfelds. Gerade jetzt aber brauchen Betroffene eine verlässliche, aufrechterhaltene Beziehung, sodass sie spüren und erleben können, dass ihre Verhalten als Reaktion auf das verstanden und akzeptiert wird, was es ist: eine Reaktion auf die Erkrankung.

 

4 : Verhandeln. In dieser Phase verhandeln Betroffene mit dem Schicksal, um die schlimmste Befürchtung hinauszuzögern oder abzuwenden. „Wenn ich schwöre, dieses oder jenes zu tun, dann ...“ Auch durch das Erbringen von Opfern wie Wallfahrten, Spenden, Hinwendung zu unbewiesenen Behandlungsmethoden und Aufbringen großer Geldsummen dafür, etc. versuchen Erkrankte einen "Handel mit dem Schicksal" zu schließen und dieses Schicksal dadurch hinauszuzögern, abzuwenden. Unterstützung in Form bedingungsloser Wertschätzung, fachlicher und sachlicher Beratung ist jetzt sehr wichtig. Bedingungslos bedeutet konkret: ohne etwas dafür zu erwarten oder zu fordernd. Das kann für Familienmitglieder, FreundInnen, KollegInnen und ÄrztInnen eine ungewohnte Herausforderung sein, aber auch eine Bereicherung der Beziehung und der eigenen Entwicklung.

 

5 : AkzeptanzIn dieser Phase der Krankheitsverarbeitung haben Betroffene ihre Erkrankung angenommen, neue Rollendefinitionen und ihren Platz im Leben wiedergefundenLeider ist das Erreichen dieser Phase nicht selbstverständlich und es bedarf des Willens, sich der Frage der eigenen Rolle und des eigenen Platzes im Leben immer wieder zu stellen.

 

Der zeitliche Verlauf der Bewältigung einer Erkrankung sowie die Vordergründigkeit und Dauer der einzelnen Phasen sind eng an die Persönlichkeit Betroffener, den Erfahrungen im Umgang mit Krisen und den Erwartungshaltungen an das soziale Umfeld gebunden.