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Bauchspeicheldrüsenentzündung: Pankreatitis. Terminologisch enden die Bezeichnungen vieler Entzündungskrankheiten mit „-itis“, so auch eine entzündliche Erkrankung des Pankreas. 

Entzündungen sind per se nichts schlechtes. Ganz im Gegenteil sind sie eine notwendige und lebenserhaltende Funktion des Organismus. Dringt z.B. ein Fremdkörper in den Organismus ein oder wird vom körpereigenen System ein artfremder Eiweißstoff erkannt oder tritt ein Gewebeschaden ein, löst das den Reiz für eine Abwehrreaktion des Immunsystems, eine Entzündungsreaktion aus. Ziel dabei ist immer, diesen Auslöser zu eliminieren, zu inaktivieren oder zu kontrollieren. 

Entzündungen laufen im gesamten Körper nach dem gleichen Muster ab. Die Entzündungsreaktion ist der Versuch des Körpers, eine Gefahr einzugrenzen, sie abzuwehren und anschließend den Schaden zu reparieren. Mit diesem Mechanismus reagiert der Körper auf Krankheitserreger (Bakterien und Viren), fremdkörperbedingte Hautverletzungen (z B. bei einem Splitter im Finger) und auf physikalische Reize (z. B. Hitze oder Druck).

 

Fünf typische Krankheitszeichen (Kardinalsymptome) lassen sich bei jeder Entzündung beobachten, auch wenn ihre Stärke variiert: Schmerz, Rötung, Schwellung, Überwärmung und Funktionsbeein-trächtigung. Je nachdem, ob nur ein Teil oder der gesamte Körper betroffen ist, spricht man von einer lokalen beziehungsweise systemischen Entzündung. Bei Autoimmunerkrankungen bringt körpereigenes Gewebe diese Entzündungsreaktion in Gang, das Immunsystem fehlinterpretiert das körpereigene Gewebe als fremdes und greift es - mit bester Absicht den Organismus zu schützen - an.

 

Eine Entzündungsreaktion wird von Botenstoffen gesteuert, die der Körper im betroffenen Gebiet freisetzt. Zellen, in denen 

diese Botenstoffe (Mediatoren) freigesetzt werden, sind Zellen des Immunsystems. Zu ihnen zählen Makrophagen (weiße Blutkörperchen), Mastzellen, Granulozyten, Epitheloidzellen und Lymphozyten (NK Zellen und Plasmazellen)Sie setzen hochreaktive Substanzen frei, die den Angriffsversuch durch potentiell schädliche Eindringlinge oder Bedrohungen unterbinden sollen - ihr Erscheinen löst eine Entzündungsreaktion aus, die leicht an Schwellungen, Rötungen und - wenn äußerlich - an einem Juckreiz erkennbar ist.

Neutrophile GranulozytenMonozytenMakrophagen und Dendritische Zellen zum Beispiel sind als Bestandteil der unspezifischen Abwehr zur Phagozytose fähig. Dabei nehmen sie Fremdmaterial auf und machen es unschädlich. Sie werden daher auch Fresszellen genannt.

B-Lymphozyten hingegen produzieren nach geeigneter Stimulation speziell gegen bestimmte Erreger oder schädigende Stoffe gerichtete Antikörper. Sie gehören somit zur spezifischen Abwehr.

T-Lymphozyten koordinieren unter anderem spezifische und unspezifische Abwehr. Sie gehören zur Gruppe der Leukozyten, auch weiße Blutkörperchen genannt, deren Botenstoffe als Entzündungsmediatoren an Entzündungen beteiligt und in der Lage sind, durch freigesetzte Botenstoffe (Mediatoren) wie Zytokine und Leukotriene diese aufrecht zu halten, zu modulieren oder zu beenden. Leukozyten spielen außerdem eine wesentliche Rolle bei allen Autoimmunkrankheiten.

 

Eine Entzündung setzt mit Hilfe einer Vielzahl von Wachstumsfaktoren außerdem die Reparatur des beschädigten Gewebes in Gang. Diese Wachstumsfaktoren beschleunigen die Entstehung gesunder Zellen und fördern die Bildung von Blutgefäßen. Schon bald nach Beginn der Entzündung (nach 12–36 Stunden) stoßen Botenstoffe den Heilungsprozess an. Er beginnt mit Bindegewebezellen und kleinen Blutgefäßen, die sich vom Rand aus in das entzündete Gebiet ausbreiten. Innerhalb von 3–4 Tagen entsteht so ein gefäßreiches, schwammiges Bindegewebe (Granulationsgewebe), das später von den üblicherweise an der betroffenen Stelle vorhandenen Zellen durchsetzt wird. Dadurch klingt die Schwellung allmählich ab.

Bei größeren Entzündungen gelingt die Wiederherstellung oft nicht völlig und es bleibt ein funktionell eingeschränktes Narbengewebe zurück – da es reich an Bindegewebefasern ist, fühlen sich Narben oft hart an. Narbengewebe in Form von Gangverengungen (Stenosen) im Pankreas Hauptgang (Ductus pankcreaticus) führen zu einem Rückstau von Bauchspeichel im Bauchspeicheldrüsen-Gang. 

 

Durch den Rückstau des Pankreas Sekrets können sich hinter den Gangverengungen Kammern (Dilatationen) bilden, die den Gang weiten (dilatieren). Die aus diesem Prozess stammenden Veränderungen innerhalb der Bauchspeicheldrüse zeigen sich vor allem der Mitte der Bauchspeicheldrüse, dem Pankreas-Körper (Corpus). 

 

Der krankhafte Rückstau des enzymhaltigen Bauchspeicheldrüsen-Sekrets befeuert die Immunantwort des Organismus weiter, das Entzündungsrad dreht sich, bis der Auslöser - der Rückstau des Pankreassekrets - beseitigt ist. Ein Pankreassekret-Rückstau kann auch zu​ schweren Verläufen der Erkrankung, der nekrotisierenden Pankreatitis führen, bei der die im rückgestauten Sekret befindlichen Verdauungsenzyme das Gewebe der Bauchspeicheldrüse angreifen - es kommt zu einer "Selbstverdauung des Organs" und dadurch auch zur Gefahr eines Sekretaustritts in den Bauchraum, einem akut hochbedrohlichen Zustand. 

Eine Pankreasgang-Stenose kann jedoch auch ohne Nekrose des Gewebes eine Entzündung unterhalten, die eine chronische Verlaufsform annimmt. Auch in dieser Form wird der Entzündungsprozess durch den Rückstau des Verdauungssekrets weiter befeuert. Damit können weitere Veränderung innerhalb der Drüse vor sich gehen. 

 

Die Unterbrechung dieses Kreislaufes und die Linderung bzw. Beseitigung von eventuell auftretenden Schmerzen sind das primäre Ziel der Behandlung.

Bei Entzündungen im Körper steigen bestimmte Blutwerte (Entzündungswerte) an:

die Anzahl der weißen Blutzellen (Leukozyten), 

die Blutsenkungs-Geschwindigkeit (BGS) und 

das C-reaktive Protein (CRP)

das Glykoprotein Fibrinogen (bei akuten Entzündungen erhöht).