Chronische Pankreatitis 

 

zählt zu den seltenen lebenslangen multiplen chronischen Erkrankungen und betrifft 10-15 von 100.000 Menschen (Prävalenz). 3,5-23 von 1.000.000 Menschen erkranken jährlich neu (Inzidenz) - Quellen: . Diese Angaben beruhen auf Angaben aus dem Nachbarland Deutschland. Auf Österreich bezogene Angaben zur Erkrankung sind nicht verfügbar. ​

Eine Pankreatitis kann als plötzlich einsetzender Schub, als akute Pankreatitis auftreten. Entsprechend dem Ausmaß der Entzündung unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung:

  1. Die akut ödematöse Pankreatitis stellt die milde Form der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung dar. Ca. 85 % der Patienten leiden unter diesem Krankheitsbild. Dabei kommt es nur zu einer vorübergehenden Schädigung der Bauchspeicheldrüse, wobei meistens keine anderen Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. In aller Regel erholen sich Betroffene vollständig und es entsteht kein Dauerschaden an der Bauchspeicheldrüse.

  2. Ca. 15 % aller Betroffenen einer akuten Pankreatitis leiden unter akut nekrotisierender Pankreatitis, dieser schwersten Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Dabei kommt es  zu einer plötzlichen, mehr oder weniger ausgeprägten Zerstörung von Bauchspeicheldrüsengewebe, das in der Folge abstirbt. Diese stärkste Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann durch einen vorübergehenden Funktionsausfall anderer Organe zu einer Gefährdung des Lebens führen. Eine intensivmedizinische Behandlung wird erforderlich. 

Auch chronische Erkrankungs-Verläufe können mit akuten Schüben einhergehen. Die führenden Symptome einer chronischen Pankreatitis sind intensive Oberbauchschmerzen, die Stunden bis Tage anhalten können. Sie sind einem einschneidenden Gürtel gleich um die Körpermitte wahrzunehmen und strahlen oft bis in den oberen Rücken aus. Zwischen diesen schmerzhaften Episoden (Schübe) können tage- und wochenlange schmerzfreie Phasen liegen. 

Jede chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist gekennzeichnet durch über lange Zeit andauernde oder wiederholt auftretende Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Dabei kommt es zu einer dauerhaften Schädigung des Organs mit meist dauerhaftem Verlust der Pankreas-Funktionsfähigkeit. Die führenden Symptome sind hier Verdauungsstörungen, Blähungen, Völlegefühl, Durchfälle und im Langzeitverlauf durch den Verlust exokriner Zellen Mangelernährung mit lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen. Auch bei dieser Form der Erkrankung kann es aufgrund einer verminderten Produktion von Insulin zur Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 3c) kommen.

 

Durch diese anhaltend entzündlichen Prozesse hervorgerufene Zellschädigung und Zellverlust exokriner Zellen führen dazu, dass Verdauungsenzyme, die in den Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert werden, nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sind. Es kommt zu Blähungen, Völlegefühl und möglicherweise zu Durchfällen. Betroffene verlieren meist Körpergewicht. Zum anderen kann es sein, dass die Bauchspeicheldrüse durch Zellschädigung und -verlust endokriner Zellen nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Insulin bereitzustellen - es kommt zur Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 3cGrundsätzlich vergehen bei einem Diabetes Typ 3c oft Monate vom Beginn bis zum Auftreten der ersten Symptome, da etwa 80% - 90% der insulinproduzierenden Betazellen des Pankreas zerstört sein müssen, bevor der Insulinmangel vom Körper nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Die Beschwerden bei Diabetes Mellitus sind abhängig vom Grad des Insulinmangels und dem Ausmaß der daraus resultierenden Stoffwechselveränderungen. Da es sich bei einem Diabetes Typ 3 um einen sekundären Diabetes handelt, können die Symptome der verursachenden Erkrankung die Beschwerden des Diabetes Typ 3c überlagern, insbesondere wenn eine chronische Pankreatitis vorliegt. Speziell typische Symptome für einen Diabetes Typ 3c gibt es nicht, die Symptome ähneln denen des Diabtes 2.

Typische Symptome eines Diabetes Mellitus, die mehr oder weniger stark in Erscheinung treten und sowohl einzeln als auch kombiniert vorkommen können sind:

  • häufiges Wasserlassen, starker Durst, Gewichtsverlust
    Bei einer erhöhten Zuckerkonzentration im Blut gelangt Zucker in den Harn und nicht an die Zielzellen. Um die Konzentrationsunterschiede auszugleichen (osmotischer Druck), gelangt mehr Wasser in den Urin, was einen häufigeren Gang zur Toilette notwendig macht (Polyurie). Damit verliert der Körper größere Wassermengen, was folgerichtig ein starkes Durstgefühl verursacht. Gleichzeitig baut der Körper seine Fettreserven zur notwendigen Energiegewinnung für die Körperzellen ab, was einen rapiden Gewichts- verlust von mehreren Kilos zur Folge hat.

  • Müdigkeit, Schwächegefühl und Leistungsminderung
    Die Störungen des Zuckerstoffwechsels und somit die Reduzierung an Energie in den Zellen führt zur Müdigkeit und Schwäche.

  • Aceton in der Ausatemluft und im Urin (Ketonazidose)
    Mit der Ausatemluft und dem Urin scheidet der Körper verstärkt giftige Fettabbauprodukte wie Aceton aus.

Die Behandlung einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung richtet sich in erster Linie nach den Beschwerden und der zugrundeliegenden Ursache. Oft ist der erste Schritt in der Behandlung einer chronischen Pankreatitis auf Alkohol zu verzichten - ganz ungeachtet des bisherigen Alkoholkonsums. Raucher*innen sollten ihren Nikotinkonsum reduzieren und möglichst ganz einstellen. Zudem wird man durch Einnahme von Pankreasenzympräparaten versuchen, eine ausreichende Verdauung der Nahrung und damit Versorgung des Organismus wiederherzustellen, um so Symptome wie Blähungen und Durchfall zu lindern bzw. zu beseitigen.

 

Durch Gabe der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K und weiterer Mikronährstoffe kann der häufig auftretende Vitamin- und Spurenelemente-Mangel ausgeglichen werden. Es ist sinnvoll, in regelmäßigen Abständen mittels Blutserum eine Vitamin- und Spurenelementespiegel zu bestimmen und den Vitaminangel durch genau abgestimmte Dosierungen von Vitamingaben und Supplementtion von Spurenelementen auszugleichen. 

 

Kommt es zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus 3c) helfen - je nach Ausprägung der Zuckerkrankheit - eine ausgewogene 

Ernährung und viel Bewegung. Normalisiert sich damit der Blutzuckerspiegel nicht, müssen Betroffene ein Leben lang Insulin zuführen. 

 

Die Schmerztherapie besteht in erster Linie in der Gabe von potenten Scherzmitteln wie Opioiden.

In der Frühphase der chronischen Pankreatitis kommen minimalinvasive Verfahren, das sind endoskopische Verfahren, zur Anwendung. Jede Behandlung sollten nur von auf endoskopische Interventionen spezialisierten Internist*innen in Abstimmung mit erfahrenen Pankreaschirurg*innen vorgenommen werden, da das Pankreas bei diesen Eingriffen manipuliert wird. Dazu zählt die Einbringung von Plastikröhrchen (Stents) in den Pankreasgang (ductus pancreaticus), wenn dieser eine Gangverengung (Stenose) aufweist. Das Ziel dieser Interventionen ist die Stenose zu dehnen, in der Hoffnung, dass sie offen bleibt und ein chriurgischer Eingriff unnötig wird. Der Nachteil dieser Behandlung ist, dass der oder die eingebrachten Stents spätestens alle drei Monate gewechselt werden müssen und jedes mal einen mehrtägigen Spitalsaufenthalt erforderlich macht. Komplikationen dieser Behandlungsmethode sind sogenannte Okklusionen des/der Stents durch Gallengries, sogenannten Sludge. Eine langjährige endoskopische Behandlung sollte vermieden werden - endoskopische Therapieversuche sollten sich maximal über einen Zeitraum von einem Jahr erstrecken.

 

Sind diese Therapieversuche erfolglos, ist der finale Therapieschritt die Operation. Operative Verfahren bieten oftmals eine rasche und dauerhafte Therapie von schmerzhaften Beschwerden. Jeder/jede zweite PatientIn mit chronischer Pankreatitis wird im Verlauf der Erkrankung operiert. Dafür gibt es in der Regel drei Gründe:

  1. Bleiben Schmerzen trotz stärkster Schmerzmittel wie Morphium oder Opioiden bestehen, trägt eine Operation zur Linderung bzw. Beseitigung der Schmerzen und zur Steigerung der Lebensqualität bei. 

  2. Bleiben Gangverengungen (Stenosen) durch das Einbringen von Stents nach einem Auslassversuch von einigen Wochen nicht von selbst offen und fließt das Pankreassekret nicht ungehindert ab, ist auch in diesem Fall die Operation das Mittel der Wahl.

  3. Zu einer Operation wird auch geraten, wenn die chronisch-entzündlichen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse die umliegenden Organe beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem eine Einengung oder ein Verschluss des Zwölffingerdarms, des Gallengangs, des Pankreasganges und der Gefäße, die hinter der Bauchspeicheldrüse liegen. Auch bei Verkalkungen in der Bauchspeicheldrüse oder bei narbigen Engstellen im Galle- oder Pankreasgang stellt eine Operation die bessere Alternative zur endoskopischen Therapie dar.

  4. Eine Operation empfiehlt sich außerdem, wenn unklar ist, ob sich hinter den Veränderungen der Bauchspeicheldrüse ein bösartiger Tumor verbirgt. Wird ein bösartiger Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt, besteht die Möglichkeit, ihn chirurgisch komplett zu entfernen.

  5. Der beste Operationszeitpunkt muss durch erfahrene Bauchspeicheldrüsenchirurgen festgelegt werden. Welches Operationsverfahren eingesetzt wird, hängt dabei wesentlich von den Veränderungen der Bauchspeicheldrüse ab.

Nach einer der Entfernung eines Teils oder - wenn notwendig - einer Totalentfernung der Bauchspeicheldrüse kommt es zu einer exokrinen und möglicherweise zu einer endokrinen Pankreas-Insuffizienz. Diese haben eine lebenslange Einnahme von Pankreasenzymen zu jeder Mahlzeit und die Behandlung eines Diabetes mellitus 3c zur Folge. 

Quellen: Klinikum Uni MünchenKlinikum DresdenDoris Lang-Selbst Betroffene, Deutsche Apothekerzeitung, Deutsche Diabetes Hilfe

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