Pankreas-Darm-Hirn-Achse

Wie die Behandlung des Darms Depressionen lindern kann und welche Rolle die Bauchspeicheldrüse dabei spielt.

Im Darm leben knapp 40 Billionen Bakterien, die maßgebend daran beteiligt sind, ob wir gesund bleiben oder krank werden. Im Dickdarm befinden sich sehr viel mehr Mikroorganismen als im Dünndarm.


Der menschliche Körper besteht nicht nur aus Milliarden spezialisierter Zellen, in ihm leben auch zahllose Mikroorganismen mit uns zusammen, in der Regel friedlich und nutzbringend. Allein im Darm finden sich etwa 38 Billionen Bakterien. Weil Bakterien sehr viel kleiner sind als menschliche Körperzellen, kommen diese Bakterien zusammen auf ein Gewicht von nur 2 Kilogramm.


Vielfalt im Darm ist gesundheitsfördernd


Durch die rasante technische Entwicklung bei Untersuchungen des Erbmaterials von Bakterien in den letzten Jahren können inzwischen sämtliche im Darm lebende Mikroorganismen identifiziert werden. So wissen wir heute, dass dort fast 40.000 verschiedene Bakterienarten zu Hause sind. Wie diese sich in ihrer Art und Menge zusammensetzen, hat großen Einfluss auf unsere Gesundheit und ist nicht nur bei Darminfektionen Ursache von Krankheiten. Ein besonders artenreiches Darmmikrobiom hat gesundheitsfördernde Wirkungen und viele Erkrankungen gehen mit einer Abnahme der Diversität oder Artenvielfalt der Bakterien im Darm einher.

Diese Mikroorganismen haben verschiedene Wirkungen auf den Menschen wie

Umgekehrt gibt es Bakterienzusammensetzungen, für die ein Zusammenhang mit ganz verschiedenen Erkrankungen hergestellt wurde, die von Diabetes und Fettleber bis zu Depression und Alzheimer-Demenz reichen. Bei Krankheiten wie dem durch Antibiotika verursachten Durchfall (Clostridium difficile Colitis) wird sogar schon der Austausch des gesamten Darmmikrobioms therapeutisch eingesetzt und kann zur Heilung führen.


Was aber bestimmt die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm? Einerseits ist die Mischung der Bakterienarten des Menschen erblich bedingt und kann fast als persönlicher Fingerabdruck angesehen werden. Andererseits führt schon ein zweiwöchiger Auslandsaufenthalt in Vietnam oder Mexiko aufgrund der andersartigen Ernährung zu starken Änderungen des Mikrobioms. Allerdings bildet sich diese nach der Rückkehr in die vertraute Umgebung schnell wieder zurück. Andere bekannte Einflussfaktoren für die Zusammensetzung des Mikrobioms sind die Präferenz des Essens. Dazu gehören etwa tierische Proteine oder vegane Kost, Tabakrauchen, Alkoholkonsum sowie bestimmte Medikamente.


Bauchspeicheldrüse und Darmflora


Auf Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) spezialisierte Forscher der Universitätsmedizin Greifswald hatten untersucht, ob und wie dieses Organ das Mikrobiom beeinflusst. Eine Arbeitsgruppe an der Universitätsmedizin Greifswald hat bei 1.800 SHIP-Probanden (Study of Health in Pomerania) entdeckt, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien viel stärker von der Funktion der Bauchspeicheldrüse kontrolliert wird als von allen anderen bekannten Faktoren.


Dafür wurden bei 1.800 Studienteilnehmer*innen der Greifswalder Gesundheitsstudie SHIP die Zusammensetzung des Stuhlmikrobioms mittels Sequenzierung der bakteriellen Erbinformation (16S rRNA) analysiert. Neben vielen anderen Faktoren haben die Wissenschaftler sowohl die Konzentration von Elastase, einem Verdauungsenzym der Bauchspeicheldrüse, im Stuhl gemessen, als auch die stimulierte Ausscheidung von Pankreassaft in den Dünndarm mittels Kernspintomographie.


Eine verminderte Konzentration der Elastase war mit starken Veränderungen der Zusammensetzung und Artenvielfalt des Mikrobioms verknüpft. Beispielsweise fanden sich ein Anstieg der eher gesundheitsschädlichen Prevotella-Bakterien und eine Abnahme der gesundheitsförderlichen Bacteroides-Arten.


Der Einfluss des Volumens des Pankreassaftes auf die Vielfalt der Bakterienstämme war dabei deutlich geringer als die Konzentration des Verdauungsenzyms Elastase.


„Ob dieser Effekt durch Peptid-Antibiotika, die die Bauchspeicheldrüse selbst produziert, oder durch eine Änderung der Verdauungsfunktion verursacht wird, ist noch unbekannt“, sagten die Erstautoren der Arbeit, Dr. Fabian Frost und Dr. Tim Kacprowski. „Auf jeden Fall bedeutet diese Entdeckung einen wirklichen Fortschritt im Verständnis über den Zusammenhang zwischen Verdauung und Darmmikrobiom“, unterstrich Dr. Georg Homuth aus der funktionellen Genomforschung.


Vorausetzung für diese Entdeckung waren einerseits die Ressourcen der SHIP-Studie und andererseits die in Greifswald etablierte interdisziplinäre Zusammenarbeit.


Quelle: Gastroenterology Volume 156, Issue 4, Pages 1010–1015 (veröffentlicht 2019)


Darm-Hirn-Achse


Zweifelsfrei belegt ist der Einfluss der Darmbakterien auf die Gesundheit. Ihre Effekte reichen weit über die lokale Wirkung hinaus. Im Darm hängt die Entwicklung und Funktion des mukosalen Immunsystems von ihrer Anwesenheit ab. Sie interagieren aber auch mit Organen wie der Leber und dem Gehirn. Speziell die Darm-Hirn-Achse wird derzeit intensiv erforscht: „Wir wissen heute, dass Darmbakterien Funktionen im Gehirn beeinflussen können“, so Bischoff.


Wie eine gesunde Mikrobiota zusammengesetzt ist, ist zwar nicht exakt definierbar, doch gilt eine hohe Diversität als günstig. Eine Dysbiose geht dagegen mit einer reduzierten Diversität, dem Verlust der natürlichen Mikrobiom-Ordnung (Kern-Taxa) und metabolischen Veränderungen (Metabolismus/Stoffwechsel) einher, berichtete Prof. Dr. Andreas Stallmach, Universität Jena.

„Untersuchungen zeigen, dass sich bei gesunden Menschen die Zusammensetzung der Bakterien, die sogenannte Diversität, in einem Gleichgewicht befindet, bei kranken allerdings die pathogenen Keime überwiegen können – diesen Zustand nennt man dann Dysbiose.“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Harald Hofer, Leiter der Abteilung für Innere Medizin I - Klinikum Wels Grieskirchen


Neben Antibiotika‐Therapien können unter anderem auch weitere Medikamentengruppen, eine einseitige Ernährungsweise mit hohem Fett‐ und Zuckergehalt, Mineralstoffmangel sowie chronischer Stress die Zusammensetzung des Mikrobioms verändern.

Quellen: Klinikum Wels Grieskirchen | Deutsches Ärzteblatt

Bekannt ist mittlerweile auch, dass ein gestörtes Mikrobiom die Anfälligkeit für Depression erhöht.

Eine exokrine Pankreasinsuffizienz führt zu Magnesiummangel. Obwohl der Zusammenhang zwischen Magnesiumversorgung und Depressionen wissenschaftlich gut dokumentiert ist, bleibt der zugrundeliegende Mechanismus unklar. Immerhin weiß man, dass Magnesium eine Schlüsselrolle in der Regulation von Botenstoffen spielt, die die Stimmung beeinflussen. Doch das Mineral ist nicht nur für die Muskelfunktion wichtig, es beeinflusst auch Herzrhythmus, Knochenaufbau – und es spielt eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen im Körper. Diese wiederum können auch die seelische Gesundheit in Mitleidenschaft ziehen und begünstigen Depressionen.


Wer den Darm, seines Zeichens auch als Sitz des Immunsystems bekannt, glücklich machen möchte, sollte auf Magnesium setzen. Magnesium ist ein wertvolles Mineral, das uns in vielen Lebenslagen hilft. So ist etwa unumstritten, dass es Muskeln bei der Regeneration unterstützt und auch der Psyche dienen kann. Etwas unterbeleuchtet ist allerdings die positive Wirkung von Magnesium auf unseren Darm.





Was hindert Kliniken und niedergelassene Ärzt*innen - Spezialist*innen und Allegemeinmediziner*innen, die gezielte Diagnostik und Behandlung eines pathogenen Darmmikrobioms bei exokriner Pankreasinsuffizienz ab sofort zum Behandlungsstandard zu erheben und bereits präventiv zu be-handeln?


Wie ist es zu rechtfertigen, dass die ÖGK die Kostenübernahme einer Stuhlanalyse und notwendige therapeutische Medikamente ablehnt?


Wie ist es zu rechtfertigen, dass Pankreatitis-Betroffene, SV Beitragszahler*innen, privat für Kosten von Darm-Dysbiose Diagnostik und Behandlung aufkommen müssen?



Dieser Blogbeitrag entsteht, weil eine Dysbiose als Folge einer EPI die Gesundheit Betroffner unnötig verschlechtert.


Doris Lang

Selbst Betroffene

Obfrau




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