Die gestörte Pankreasfunktion - Histamin-Intoleranz



ICD Code T 78.1 Sonstige Nahrungsmittelunverträglichkeit, anderenorts nicht klassifiziert


Um zu verstehen, wie eine gestörten Pankreasfunktion mit der Bildung eines gestörten Mikrobioms zusammenhängt, das bei intestinaler (zum Darmkanal gehörend) Histaminintoleranz eine Rolle spielt, empfehle ich den Blog-Artikel "Die gestörte Pankreasfunktion - Pankreas-Darm-Hirn-Achse" zu lesen, in dem zu erfahren ist, wie eine exokrine Pankreas-Insuffizienz sich auf das Darm-Mikrobiom auswirkt.



Histamin- Intoleranz


Millionen von Menschen leiden nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel unter Magen-Darm-Problemen, Durchfällen, Tachykardie, Migräne, Reizungen der Nasenschleimhaut, Hautrötungen oder anderen allergieähnlichen Symptomen. Zuviel Histamin im Körper kann für diese Symptome verantwortlich sein. Histaminintoleranz tritt auf, wenn der Organismus mit der Nahrung aufgenommenes oder aus körpereigenen Zellen freigesetztes Histamin nicht rasch genug abbauen kann.


Histamin gehört zu den biogenen Aminen und findet sich unter anderem in erhöhter Konzentration in Mastzellen, weiße Blutkörperchen (basophilen Granulozyten) sowie in Histamin speichernden Zellen der Bronchial- und Magen-Darm-Schleimhäute, in Nervenzellen, Zellen der Oberhaut und in Pankreaszellen. In diesen Zellen wird Histamin an Heparin gebunden gespeichert und bei IgE-vermittelten allergischen Reaktionen vom „Soforttyp“ (Typ I) z.B. Lebensmittel- oder Insektengift-Allergien oder im Rahmen einer Immunantwort z. B. bei einem Endotoxin-bedingten Schock freigesetzt, ist also ein zentraler Bestandteil der menschlichen Immunabwehr und hat als biochemischer Wächter eine essentielle Schutzfunktion vor Viren, Parasiten und anderen Bedrohungen. Histamin wirkt als Gewebshormon, Neurotransmitter und Botenstoff (biochemische Signalübertragung.


Der Körper ist in der Regel fähig, grössere Mengen extern zugeführten Histamins und anderer biogener Amine zu tolerieren. Der Abbau von Histamin erfolgt durch HNMT (Histamin-N-Methytransferase) DAO (Diaminoxidase). Im Magen-Darm-Trakt wird Histamin durch die Diaminooxidase (DAO) abgebaut. DAO gehört zur Gruppe der Enzyme und wird in den Darmepithelzellen des Dünndarms (terminales Ileum), den Nieren, der Plazenta, Leber und weiße Blutzellen gebildet.


Im Magen ist Histamin an der Regulation der Magensäureproduktion und über seine erregende Wirkung auf die glatte Muskulatur an der Motilität beteiligt. Die durch Histamin vermittelte Steigerung der Magensäureproduktion führt unbehandelt zu Erkrankungen des Magens (akute / chronische Gastritits) und der Speiseröhre und bereitet den Nährboden für eine zunehmende Entgleisung des Darm-Mikrobioms. Chronische Hyper-Histaminose ist ein möglicher Auslöser für das Reizdarm-Syndrom.


Die gestörte Pankreasfunktion als Ursache für Histamin-

intoleranzen


Werden zu wenig Verdauungssäfte und -sekrete gebildet, liegt eine exokrine Pankreasinsuffizienz vor. Der Darm kann die Nährstoffe nicht mehr resorbieren, weil sie nicht in ihre Bestandteile aufgebrochen und teils unverdaut ausgeschieden werden. Bis zu einem gewissen Maße übernehmen Darm-Bakterien die Verdauung, wodurch Fäulnis-Prozesse in Gang gesetzt werden. Durch die Veränderungen im Darm-Milieu sind die anaeroben Symbionten der Darmflora im Vorteil und vermehren sich rasant. Sie verdrängen andere Keime und die Zusammensetzung des Mikrobioms verändert sich. Die so entstehende Dysbiose verursacht eine Reihe anderer Krankheiten. Verschiedene Spezies der Darmflora wie Hafnia alveii, Lebsiellen, Enterobacter, Serratia, Citrobacter, E.coli oder Morganella in Abhängigkeit Ihrer Stoffwechselfähigkeiten für die Synthese, aber auch für die Inaktivierung von Histamin verantwortlich.


Letztlich führt auch ein ungünstiger intestinaler pH-Wert – wie bei allen Enzymen – zu einer Beeinträchtigung der Histaminase-Aktivität. Zur Vermeidung der Bildung biogener Amine im Darm ist

also eine vollständige Verdauung der Nahrungseiweiße unerlässlich. Unter den Bedingungen der exkretorischen Pankreasinsuffizienz, die auch mit einer Verminderung von pankreatischem Bicarbonat verbunden ist, ist somit die Zufuhr von Basen per se sinnvoll, um die Verdauungsenzyme sowie die Histaminase hinreichend zu aktivieren und den Basenmangel auszugleichen.


Histaminase (DAO, Diaminoxidase) hat die Aufgabe, Histamin zu inaktivieren. Ein Histaminasedefizit zieht also eine erhöhte Histaminkonzentration im Darmlumen nach sich. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die Mikronährstoffe Magnesium, Zink und Vitamin B6, da sie als Co-Faktoren für Bildung der Histaminase bzw. für die Bindung von Histamin essentiell sind. Die genannten Elemente sind nicht nur bei Patienten mit einer exokrinen Pankreasinsuffizienz hinsichtlich einer optimalen Versorgung als kritisch anzusehen, sondern gelten allgemein als „Problemnährstoffe“. Ähnlich wie ein sekundärer Lactasemangel kann sich bei Patienten mit latent entzündlichen Darmschleimhautveränderungen – z.B. im Rahmen von Infekten oder bei nahrungsmittelallergischen Reaktionen – ein sekundäres Histaminasedefizit entwickeln - eine erhöhte Freisetzung durch eine mangelnde Bindungsfähigkeit von Histamin an Heparin aufgrund eines Zinkmangels.


Mit unseren Sinnen zu erkennen ist dieser Prozess an einem extrem üblen Kot-Geruch (Fäzes-Geruch).


Krankhafte Reaktionen durch Histamin können durch drei Phänomene verursacht werden:


eine erhöhte Freisetzung durch eine mangelnde Bindungsfähigkeit von Histamin an Heparin

  • aufgrund eines Zinkmangels

  • eine Instabilität der Mastzellmembranen aufgrund der Einwirkung freier Radikale und Xenobiotika, thermischer und/ oder mechanischer Einflüsse

  • Nahrungsmittel, die als Histaminliberatoren (setzen frei) fungieren (Farbstoffe)

  • allergische Reaktionen vom Soforttyp

  • ein Ungleichgewicht des Darm-Mikrobioms in Kombination mit vermehrt unverdauten Nahrungseiweißen und -fetten -> erhöhte IgE Titer

  • Histaminliberatoren (Medikamente)*

ein verminderter Histaminabbau

  • durch eine erhöhte Histaminresorption aufgrund eines verzögerten Abbaus von Histamin in der Darmwand

  • Mangel an Histamin abbauenden Enzymen (z. B. durch die Einwirkung von Zigarettenrauch oder Alkohol)

  • Unterversorgung von Vitaminen und Spurenelementen wie Vitamin D3-, Zink-, Magnesium- und/oder Vitamin B6

  • durch mangelhaft gebildetes DAO, z. B. durch Medikamente, die als DAO-Inhibitoren* agieren, Insuffizienz DAO bildender Zellen

eine erhöhte Histaminzufuhr durch

  • histaminreiche Nahrungsmittel

* Liberatoren setzen frei, Inhibitoren verhindern die Bildung und Ausschüttung von Stoffen wie DAO oder Histamin.


Mögliche Symptome

Welche Symptome sich im Einzelfall zeigen, hängt sehr von der persönlichen Histaminschwelle und dem individuellen Histaminspiegel ab.

Diagnose


Mikronährstoff-Screen im Vollblut (Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan, Molybdän, Kupfer, Eisen, Zink, Selen, Vitamin B6)

Einzelne Parameter dieser Bestimmung sind bis heute von Betroffenen selbst zu bezahlen.

Die Bestimmung der Pankreas-Elastase

deckt sehr gut schwere und mittelgradige Pankreasinsuffizienzen auf. Bei leichteren Fällen ist es schwieriger. Da es Patienten gibt, die auch bei einer leichten exkretorischen Insuffizienz eine Malnutrition entwickeln, ist eine weitere Abklärung erforderlich. Mittels Bestimmung der Verdauungsparameter und anhand der klinischen Symptome ist auch bei diesen Betroffenen und mittels einer Mikronährstoff -Analyse eine Diagnostik möglich.


An wen kann man sich wenden?

Grundsätzlich sind sowohl Gastroenterolog*innen als auch Allergolog*innen für Diagnostik und Behandlung dieser möglichen Folge einer Chronischen Pankreasinsuffizienz Ansprechpartner*innen.



Doris Lang

Selbst Betroffene, Obfrau













Literatur

  • Biogene Amine, Ernährungs Umschau - Fachzeitschrift für Ernährungswissenschaft

  • Inflammatio Akademie Nahrungsmittelallergien vom Typ I bis Typ IV Dr. med. Volker von Baehr Institut für Medizinische Diagnostik Berlin

  • Störungen der Bauchspeicheldrüsenfunktion, Studylib, GanzImmun AG

  • Springer - Erkrankungen des Pankreas : Evidenz in Diagnostik, Therapie und Langzeitverlauf

  • Ärzteblatt.de - Schwerpunkt: Motilitätsstörungen im Verdauungstrakt

  • Schweizer Interessensgemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI)

  • Waldkrankenhaus Marien / D