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Mikronährstoffe Mangel #1

Aktualisiert: 29. Dez 2019




Als Folge einer exokriner Insuffizienz, einem Mangel an Panrkeas-Verdauungsenzymen, entsteht eine verminderte Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie essentiellen Spurenelementen, die auch durch die Einnahme von Pankreas-Verdauungsenzymen nicht vollständig ausgeglichen werden kann.


Die S3 Leitlinie "Chronische Pankreatitis" nimmt dazu wie folgt Stellung:


Bei der Substitutionstherapie sollen eine Verringerung der Malabsorption mit ausreichender oraler Nährstoffversorgung (sämtliche Hauptnährstoffgruppen und Vitamine) sowie ggf. eine effektive Behandlung der abdominellen Symptome angestrebt werden. Eine vollständige Normalisierung der Nährstoffdigestion und -absorption lässt sich (auch durch Enzymsubstitution - Anm. der Redaktion) meist nicht erreichen. [Evidenzgrad 2b, Empfehlungsgrad A, starker Konsens]


Weiters heißt es:

Ein Defizit an Vitaminen und Spurenelemente soll gezielt ausgeglichen werden. [Evidenzgrad 2b, Empfehlungsgrad A, Konsens]


Patienten mit chronischer Pankreatitis und exokriner Pankreasinsuffizienz nehmen weniger an Vitaminen und Spurenelemente zu sich, als für die tägliche Zufuhr empfohlen. So wurden gehäuft Mangelzustände für die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie für Kalzium, Magnesium, Zink, Thiamin und Folsäure nachgewiesen. Eine verminderte Zufuhr wurde auch für Riboflavin, Cholin, Kupfer, Mangan, Schwefel beschrieben. Die Aufnahme von Vitamin C und Selenium lag innerhalb der empfohlenen Tageswerte, war aber geringer als bei gesunden Kontrollpersonen.


Die Empfehlung, einen Mangel auszugleichen kommt nicht von ungefähr sondern basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass diese Vitamine und Spurenelemente - jedes für sich und als Co-Faktor auch miteinander - essentiell sind für Augen, Haut, Schleimhäute, Immunsystem, Muskulatur, Antioxidans, Schmerzempfindlichkeit, Blutgefäße, Herz-Kreislauf, Entgiftung, Stoffwechsel, Nervensystem und damit auch Serotonin (Glückshormon, fehlt es kommt es zu endokrinen Depressionen), Gewinnung von Energie aus der Nahrung, Zellwachstum und Zellerneuerung, uvm.


Und trotzdem ist in den S3 Leitlinien auch folgendes zu lesen:


"Die Indikation zur Substitution von Vitaminen und Spurenelementen sollte beim Erwachsenen in erster Linie nach klinischen Mangelsymptomen gestellt werden. Die zusätzliche Bestimmung von Serumkonzentrationen sollte nur im Einzelfall erfolgen. [starker Konsens, klinischer Konsenspunkt]


Eine routinemäßige Kontrolle dieser Parameter bei Erwachsenen kann mangels Daten nicht empfohlen werden."


Woran erkennen Betroffene klinische Mangelsymptome? Und woran erkennen ÄrztInnen im niedergelassenen Bereich, die in der Mehrheit auch über Pankreaserkrankgungen nur oberflächlich Bescheid wissen, klinische Mangelsymptome? Laborparameter?


In Österreich ist es so, dass dieses Laborparameter nicht auf dem Index der Parameter stehen, deren Kosten ohne Antrag von der ÖGK übernommen werden. Für die Bestimmung dieser Laborparameter müssten HausärztInnen oder andere niedergelassene ÄrztInnen dafür Anträge an die ÖGK stellen, wissen aber nicht, an wen sie diese richten sollen und sind bei der verlangten Begründung für ein Labor-Screening überfordert, da ihnen das dafür notwendige Spezialwissen fehlt. Es wäre auch eine unrealistische und überzogene Erwartungshaltung, von AllgemeinmedizinerInnen zu erwarten, dass sie das spezielle Fachwissen der gesamten medizinischen Welt in sich tragen. Die Zeit für Recherchen dazu wird ihnen nicht abgegolten.


Damit wird die Ermöglichung einer Laborbestimmung und eine mögliche notwendige Vitalstoffsubstituierung in die Verantwortung der durch die Erkrankung ohnedies belasteten Betroffenen abgeschoben, denen nichts anderes über bleibt, als Mängel und Folgesymptome zu aktzeptieren oder selbst zu recherchieren und entsprechende Anträge selbst zu stellen.


Weshalb die Bestimmung dieser Laborparameter im klinischen Bereich nicht erfolgt, ist eine Frage, deren Antwort offen ist. Und ob das in allen Kliniken der Fall ist, kann an dieser Stelle ebenfalls nicht beantwortet werden.


Kommen wir zu der Frage: Warum nicht Vitamine und Spurenelemente einfach ohne Labor-Bestimmung selbst einnehmen?


Fatal an dieser Situation ist, dass es bei unkontrollierter Einnahme einiger dieser Vitamine und Spurenelemente durch Überdosierung ebenfalls zu gesundheitlichen Folgeschäden kommen kann.


Eine Verschärfung dieser Situation tritt ein, wenn es zu Folgeerkrankungen (Komorbiditäten) einer exokrinen Pankreasinsuffizienz wie Fructosemalabsorption, Histaminintoleranz, zu einer sekundären Laktoseintoleranz oder/und einer Lebererkrankung kommt.


Die Bestimmung der Vitalstoff-Laborparameter müssen bis dato privat übernommen werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf circa 500,- bis 1.000,- Euro pro Laboruntersuchung. Das ist für jemanden, der auf Grund der Erkrankung berentet wurde, immerhin circa 40% aller Pankreatitis Erkrankten, oder Betroffene mit geringen Einkommen finanziell nicht leistbar. Dazu kommen die Kosten von Vitamin- und Spurenelemente Präparaten, die ebenfalls aus eigener Tasche finanziert werden müssen und ohne ausgetestete Laborparameter nicht sicher dosiert werden können.


Was für Betroffene einen extremen Kostenaufwand bedeutet, ist für das System, die Gesamtheit aller Versicherten, ein vergeleichsweise geringer Kostenaufwand im Hinblick auf ungleich höhere Kosten durch Folgeerkrankungen, die durch einen Mangel der hier angeführten Vitamine und Spurenelemente entstehen könnten.


In diesem Sinn: möge das neue Jahr dazu führen, dass diesen "unmet needs", wie es im medizinischen Fachjargon heißt, mit entsprechenden Maßnahmen seitens Kliniken und ÖGK mit einem entsprechenden Angebot begegnet wird, das die Lebensqualität Betroffnerer erhöhen und mögliche Kosten für das Gesundheitssystem durch Langzeitfolgen vermeiden soll.


Ihre

Doris Lang