Pankreaopriver Diabetes - Diabetes mellitus Typ 3c

Schwer einzustellen, kaum bekannt, oft fehlbehandelt



Die seltenen Formen des Diabetes werden oft unter der Bezeichnung Typ-3-Diabetes zusammengefasst. Typ-3-Diabetes kann z.B. Beispiel durch eine Virusinfektion, genetische Defekte, Alkoholmissbrauch, eine Stoffwechselstörung, Krebserkrankung oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse und als Nebenwirkung bestimmter Medikamenten hervorgerufen werden. 

Einen Diabetes Typ 3 kennen die wenigsten Menschen. Dabei tritt diese Form des Diabetes gar nicht so selten auf, häufiger sogar als Typ-1-Diabetes.

Ein Typ-3-Diabetes wird oft als Typ-2-Diabetes fehldiagnostiziert.

Diese Diabetesform ist in westlichen Ländern für 5–10 % aller Diabetesformen verantwortlich und kann durch jede Erkrankung entstehen, die mit einer Zerstörung des Pankreasgewebes einhergeht, wie z. B. Pankreasoperationen, Chronische Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen, u.a. bei Mukoviszidose bzw. Hämochromatose. Die möglichen Ursachen eines Typ-3-Diabetes hängen nicht mit dem Alter oder dem Lebensstil des Patienten zusammen.

Klinisch ist der pankreoprive Diabetes = Diabetes mellitus Typ 3c durch eine Betazell-Dysfunktion, eine Erkrankung des endokrinen Pankreas bei üblicherweise hoher Insulinsensitivität charakterisiert.


Problematisch im klinischen Alltag ist die hohe Hypoglykämiegefahr, die sich durch das Fehlen der gegenregulatorisch wirkenden Hormone Somatostatin und Glukagon besteht und sich auch durch eine häufig vorliegende Malabsorption erklärt.

Symptome des Diabetes Typ 3c

  • ähnlich den Symptomen der „klassischen“ Diabetesformen

  • dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel

  • Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen

Diabetes-Symptome spüren Betroffene erst, wenn die Blutzuckerwerte bereits sehr hoch sind. Dann können Anzeichen wie ein starkes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder Sehstörungen auftreten.


Bei manchen Menschen kann es sogar zu einer schwerwiegenden Stoffwechselentgleisung kommen, einer sogenannten diabetischen Ketoazidose. Diese geht mit einer Übersäuerung des Körpers einher, die bis zum Koma führen kann.

Die Lebensqualität der Menschen mit Diabetes Typ 3 erhalten und wenn möglich zu verbessern, macht eine intensive patientenzentrierte Betreuung erforderlich. Unnötige Beschränkungen vermeiden und Verständnis für Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Durchfall und Verstopfung aufbringen, sind für ein lebenswertes Leben der Patienten wichtig.

Zu den medizinischen Zielen gehört die Verhinderung der Mangelernährung und eine stabile Blutzucker­einstellung unter Vermeidung von Episoden einer Hypoglykämie, Ketoazidose oder Hyperglykämie (Blutzucker über 250 mg/dl).


ZU BEACHTEN:

  • Die Blutzuckerziele sind nüchtern und vor dem Essen 100-120 mg/dl, 1 Stunde nach dem Essen 180 mg/dl.

  • Bei einem Großteil der Patient*innen ist eine Insulintherapie optimalerweise in Form eines Basis-Bolus-Regimes notwendig.

  • Metformin ist nur bei Patienten mit gleichzeitiger Insulinresistenz sinnvoll, wird aber häufig schlecht toleriert.

  • Inkretin-basierte Therapien sollten aufgrund eines erhöhten Pankreatitisrisikos in dieser Situation vermieden werden.

  • SGLT2-Hemmer bergen bei Insulinmangel ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer normoglykämischen Ketoazidose.

Resümee In der Kategorie „andere spezifische Diabetesformen“ finden sich pathophysiologisch, klinisch und therapeutisch heterogene Störungen des Glukosestoffwechsels. Zu den häufigsten zählen

  • der Glukokortikoid-induzierte Diabetes, der durch einen unauffälligen Nüchternblutzuckerwert und hohe Blutzuckerwerte untertags gekennzeichnet ist,

  • der pankreoprive Diabetes, dem eine Betazelldysfunktion bei meist erhaltener Insulinsensitivität zugrunde liegt,

  • sowie monogenetische Diabetesformen (MODY).

Für die notwendige Einstellung und Ihre engmaschige medizinische Begleitung weisen Sie dringend auf Ihre Pankreas-Erkrankung hin. Sollten Sie sich unsicher fühlen, wenden Sie sich am Besten an die Endokrinologie Ihres Pankreas-Kompetenz-Zentrums.

Weiterführende Informationen finden Sie hier


ICD-Code für diese Krankheit: E13 (ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.)


Quellen: MedMedia Update 2019: Andere spezifische Diabetesformen • Focus: ÖDG-Leitlinien-Update 2019 • DF 03|2019 • 25.07.2019Medical Tribune / Diabets online.de / Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) e. V.



Lutz Otto hat seit seiner Pankreas-Operation im Jahr 2001 Diabestes Typ 3c. Der 47-Jährige ist Vorsitzender des Arbeitskreises der Pankreatektomierten e. V. (AdP). AdP ist eine deutsche Partnerorganisation von Pankreatitis Austria.


Die Medizinjournalistin Brigitte Papayannakis hat Otto zum Gespräch in der AdP-Geschäftsstelle in Bonn getroffen. Hier geht's zum Interview.



Wie kann es sein, dass Österreichischen Diabetes Organisationen über Diabetes Typ 1, Typ 2 und Schwangerschafts-Diabetes informieren, aber nicht über Diabetes Typ 3c ?


Die gute Nachricht: Die Österreichische Diabetes Gesellschaft unterstützt Pankreatitis-Austria künftig dabei, über Diabetes mellitus Typ 3c zu informieren, aufzuklären und das Leben mit dieser Erkrankung sicherer zu gestalten.





Ein weiterer guter Grund um DANKE zu sagen!


Lassen Sie es sich gut gehen!


Doris Lang

Selbst Betroffene, Obfrau und Gründerin pankreatitis-austria

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