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Schwein gehabt!

Schweine-Pankreatin bei Verdauung-Enzym-Mangel

"Der Konsum von Fleisch- und Milchprodukten ist aus Klima-Aspekten kritisch. Wenn wir weniger Rinder und Schweine halten, würde das somit auch die Treibhausgasemissionen insgesamt senken." Zitat Quarks.de


Tierschutzorganisationen und Klimaforscher rufen dazu auf, Weniger Fleisch zu essen. Ich stimme allen Argumenten, die in diesem Zusammenhang gebracht werden, inhaltlich vollkommen zu.


Aber ach, es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Denn das Schwein ist seit meiner Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung mein "heiliges Tier".


Das ist so, weil eine Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung meist mit einem Mangel an Verdauungsenzymen einhergeht. Bauchspeicheldrüsen-Zellen sind nicht nur für die Produktion von Hormonen wie Insulin und Ghrelin zuständig, sondern sie produziert in ihren exokrinen Zellen auch lebensnotwendige Verdauungsenzyme. Diese wandeln Nahrung in Bestandteile um, die der Organismus als Bau- und Energiematerial braucht, um lebensfähig zu bleiben.


Zum Glück für alle Betroffenen gibt es Schweine, die uns Menschen genetisch sehr ähnlich sind. Darum wird aus den Bauchspeicheldrüsen geschlachteter Schweine Pankreatin gewonnen. Pankreatin ist ein enzymatisch aktives, komplexes Gemisch von Wirkstoffen tierischen Ursprungs, die aus der Bauchspeicheldrüse von Hausschweinen gewonnen werden.


Die Gewinnung des Wirkstoffs erfolgt durch Extraktion der Schweine-Pankreasdrüsen, Aufreinigung und Trocknung des Extraktes. So erhält man üblicherweise ein braunes Pulver, das die Augen reizt und teilweise in Wasser löslich ist. Die Hauptinhaltsstoffe von Pankreatin sind Lipasen, Amylasen und verschiedene Proteasen.


Die benötigten Pankreasdrüsen fallen als Nebenprodukt in Schlachthöfen bei der Gewinnung von Schweinefleisch für Lebensmittelzwecke an. Wie alle Grundstoffe tierischen Ursprungs für die Arzneimittelherstellung unterliegen die Drüsen und der Herstellungsprozess strengen Qualitätskontrollen, weshalb regelmäßig Lieferengpässe zu verzeichnen sind.


Aus dem Wirkstoffgemisch werden Medikamente zum Ersatz von Pankreasenzymen bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse hergestellt, zum Beispiel für die Behandlung der exokrinen Pankreas-Insuffizienz. Eine vollständige Wiederherstellung der Verdauung ist damit allerdings nicht möglich.


Wichtigster therapeutischer Bestandteil von Pankreatin sind die Lipasen, die die Aufspaltung der Nahrungsfette bewirken und somit den Ernährungszustand Betroffener verbessern und gleichzeitig unangenehme Begleiterscheinungen einer mangelnden Fett-Verdauung, wie zum Beispiel Fettstuhl vermeiden sollen.


Lipasen aus Schweinepankreas sind säurelabil. Darum werden pankreatinhaltige Arzneimittel magensaftresistent überzogen, um die Enzyme vor der Magensäure zu schützen. Nach der Magenpassage und dem pH-Wert-Wechsel beim Eintritt in den Dünndarm löst sich der Schutzfilm auf und gibt den Wirkstoff frei, der nun im Nahrungsbrei enzymatisch wirken kann.


Pankreatinhaltige Arzneimittel müssen direkt mit der Mahlzeit eingenommen werden, damit sie zusammen mit der aufgenommenen Nahrung im Dünndarm ankommen, um dort ihre Wirkung zu entfalten.


An einem neuen Verfahren, das auf der Produktion von Verdauungsenzymen durch Einzeller basiert, forschen derzeit das Universitätsklinikum Münster und das Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum sowie ein Biotechunternehmen Cilian. Diese Information stammt aus dem Jahr 2016.



Bis es also soweit ist, Pankreatin auf Basis von Einzellern zu produzieren, sind Kinder, Frauen, Männer mit exokriner Pankreas-Insuffizienz auf die Gabe von Schweine-Pankreatin angewiesen, ohne deren Einnahme ernsthafte organische Folgen für Betroffene drohen würden.


Ich danke allen Schweinen.

Ihre

Doris Lang